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Hey, was geht ab?

Manchmal, wenn ich gerade nichts zu tun habe und das Wetter einigermaßen okay ist, dann schnappe ich mir mein Fahrrad und radele einfach so durch die Landschaft. In meinem Rucksack habe ich immer einen Müsliriegel und eine Flasche Wasser bei mir, für alle Fälle.
Letzten Monat habe ich unterwegs noch viele Brombeeren gefunden, die ich mir für ein kleines Picknick abgepflückt habe, aber in diesem Monat gibt es nichts mehr zu naschen in der Natur, es sei denn, man kommt an einer Streuobstwiese vorbei und findet noch ein paar Äpfel im Gras.
Heute ist wieder so ein Tag, nichts zu tun und Langeweile treiben mich auf meinen Drahtesel und schon geht’s los. Gerade habe ich die Heimatstraße verlassen und bin um die Ecke gebogen, da treffe ich meinen Freund Nick. Auch er sitzt auf seinem Fahrrad und guckt so, als sei ihm genauso langweilig wie mir.
„Na Nick, was geht ab?“, frage ich und fühle mich mächtig cool. Dieses „was geht ab“ wollte ich immer schon verwenden, hab’s aber meist vergessen, oder es fiel mir einfach nicht ein, wenn’s gepasst hätte.
Nick grinst, wobei seine riesige Zahnlücke sichtbar wird. Er ist spät dran mit dem Zahnwechsel. Ich habe das längst hinter mir.
„Hi Bine! Bisschen chillen! Und du so?“, antwortet Nick und dreht seine Kappe auf dem Kopf um, so dass der Schirm nach hinten zeigt.
„Dito!“, sage ich. Das habe ich von Papa gelernt, er sagt das gefühlt 100 Mal am Tag. Irgendwie passt es immer, oder?
„Na dann!“, sagt Nick und tritt wie ein Wilder im Leerlauf in die Pedale. Warum er das macht, weiß ich nicht, vielleicht einfach nur, um etwas zu machen, oder so.
„Wir können ja gemeinsam nichts machen!“, schlage ich vor und bin erstaunt, dass Nick sofort zustimmt.
„Geht klar!“, sagt er und legt einen Gang ein. „Komm mit!“, ordnet er an und ich folge ihm. Mal gucken, was er vorhat, kann nicht schlimmer sein als die öde Langeweile, oder?
Wir fahren Richtung See und mir schwant, was er vorhat.
„Kommt jetzt wieder die Nummer mit deiner Rosinentante, oder wie die heißt?“, frage ich.
„Boah, bis du blöd!“, sagt Nick und spuckt auf den Boden. „Du hast keine Ahnung von nichts!“, fügt er hinzu. Ganz rot ist er im Gesicht nun. Sicher ärgert er sich über mich. Tja!
Ganz ehrlich, ich finde mich selbst auch gerade etwas blöd. Ich versuche das zu retten, indem ich vorschlage:
„Sollen wir wieder eine Sandburg bauen, wie letztes Mal?“
Nick antwortet nicht, er fährt aber unbeirrt weiter. Ich düse schweigend hinterher. Nach einer Weile sage ich: „Ich bin auch gern wieder das bezaubernde Burgfräulein!“
Nick grinst. „Oh ja, und dann komme ich mit meiner Rosinante angeritten und rette dich vor den Banditen, ne?“
„Okay, aber diesmal wird nicht geknutscht, versprochen?“, bestimme ich, weil er mir letztes Mal so einen feuchten Schmatzer aufgedrückt hat, mir ist heute noch schlecht.
„Geht klar!“, sagt Nick und daran hält er sich auch. Ist halt ein guter Freund, der Nick!

© Regina Meier zu Verl

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