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„Was soll ich über den Herbst schon schreiben? Ist doch irgendwie öde, diese Jahreszeit!“ Manuel sitzt vor seinem Laptop und verzweifelt an der Aufgabe, die ihm in der AG der Schule gestellt wurde.
„Schreibwerkstatt, darunter habe ich mir etwas ganz anderes vorgestellt. So was wie: Ärmel hochkrempeln, Rezept nehmen und drauflos schreiben – Zack, fertig ist der Bestseller!“, jammert er.
Manuels Schwester Lisa grinst. So ist er, ihr Bruder. Möglichst alles vorgekaut bekommen und missmutig eine Arbeit beginnen. Hatte er denn die schönen Seiten des Herbstes noch gar nicht wahrgenommen?
„Ich schlage vor, wir zwei machen einen Lauf durch den Park. Das tut uns beiden gut und hinterher weißt du vielleicht, was du über den Herbst, der übrigens meine Lieblingsjahreszeit ist, schreiben kannst!“, schlägt sie vor.
„Lieblingsjahreszeit? Igitt!“, meckert Manuel, lässt sich aber überreden zu einer Joggingrunde.
Es ist herrliches Wetter an diesem Tag im September. Die Sonne ist noch recht warm, aber es ist nicht mehr so heiß wie im Hochsommer, für’s Laufen ideale Bedingungen.
Im Park treffen die beiden viele Leute, die die Sonne genießen. Die meisten halten Abstand voneinander, so wie es in dieser blöden Pandemie vorgeschrieben ist.
Die Blätter des Laubwaldes beginnen schon, sich zu verfärben.
„Guck mal, sieht das nicht wundervoll aus?“, fragt Lisa. „Nur noch ein paar Tage, dann haben wir hier einen richtigen Indian Summer!“, schwärmt sie.
„Na ja, das ist wohl nicht ganz das, was man von Kanada her kennt, oder?“, fragt Manuel. „Da wäre ich auch gern mal!“
„Wo wir das hier doch direkt vor der Haustür haben, du spinnst!“, meint Lisa und fügt hinzu: „Denk an Corona, momentan wird das sowieso nichts mit dem Reisen!“
Manuel winkt ab, davon will er schon gar nichts hören. Dieser blöde Virus hat ihm schon den ganzen Sommer verdorben.
„Lass mich damit in Ruhe! Du weißt genau, wie mich geärgert hat, dass Tom und ich unseren vereinbarten Urlaub nicht machen konnten!“ Manuels Laune ist nun völlig im Keller. Lisa versucht zu retten, was noch zu retten ist.
„Zufälligerweise habe ich etwas Geld eingesteckt, lass uns bei der Eisdiele anhalten!“, schlägt sie vor und damit hat sie ihren Bruder am Schlafittchen. „Ich könnte dir auch helfen, einen Anfang zu deinem Herbstreferat zu finden!“, legt sie noch obendrauf.
„Wofür hat man schließlich einen Zwilling?“ Lisa hat in jeder Beziehung vorgesorgt, sie hat ihren Mundschutz dabei und kann ungehindert die Eisdiele betreten. Manuel wartet derweil draußen auf sie. Er sieht sich um und freut sich über die Sonne und die Leckerei, die er in Aussicht hat.
„Ist doch gar nicht so schlecht, dieser Herbst!“, murmelt er.
„Man muss halt aus allem das Beste machen!“, sagt Lisa, die gerade mit zwei großen Eiswaffeln vor ihm steht.

Hier kannst du die Geschichte anhören!

© Regina Meier zu Verl

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