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Emil auf dem Kürbismarkt

Emil konnte schon prima lesen. Wenn die Eltern morgens nach dem Frühstück ihre Nasen in die Zeitung steckten, nahm er sich auch eine Seite, die er dann genau studierte. Heute las er vom Kürbismarkt in der Nachbarstadt. Das klang spannend.
„Fahren wir zum Kürbismarkt?“, frage er. „Dort ist es so schön bunt.“
„Du magst Kürbisse doch gar nicht essen. Schon vergessen?“, wunderte sich Papa.
„Ich will keine Kürbisse essen. Ich möchte das Bunt haben: in unserem Garten und vor der Haustür, ja, und Kürbislaternen wünsche ich mir auch. Viele. Und …“ Emils Augen leuchteten vor Begeisterung.
„Aha!“ Mama lächelte. „Du wünschst dir ein Kürbisfratzengesicht, wie Markus eines gebastelt hat?“
Emil nickte. Endlich hatten sie es begriffen. Klar wollte er auch so eine Kürbisfratze haben. Eine gruselige. Er hatte schon aufgezeichnet, wie sie aussehen sollte.
„Es können auch zwei sein oder drei“, sagte er schnell. „Bunt soll es sein bei uns. Gruselig bunt.“
„Also gut, fahren wir zum Kürbismarkt! Müssen wir einen Anhänger mitnehmen oder reicht der Kofferraum?“ Papa grinste.
Mama lachte. „Keine schlechte Idee.“
Eine Stunde später machten sie sich auf den Weg, ohne Anhänger, aber mit Oma, die unbedingt mitfahren wollte.
Auf dem Markt war viel los. Die Leute kauften und kauften und Emil wunderte sich. Ob die alle gerne Kürbissuppe und all die anderen Kürbisleckereien aßen? Und warum kaufte kaum einer die grünen Früchte? Die blieben nämlich auf allen Ständen am längsten liegen.
Komisch, dachte Emil. Man kann auch Gerichte aus grünen Kürbissen essen und für Fratzengesichter waren die auch prima. Im Dunkeln sah man die Farben doch eh fast nicht.
Dies meinte auch Oma. „Nachts sind alle Katzen grau“, sagte sie. „Und in ihrem Inneren sind alle Kürbisse gelb oder orangefarben, auch die grünen Sorten. Im letzten Jahr habe ich Konfitüre aus dem „Happy Jack“ Kürbis gekocht. Der war auch grün und sein orangefarbenes Fleisch schmeckte besonders lecker.“
Hm! Ob die grünen Früchte lecker schmeckten, konnte Emil nicht bestätigen. Er konnte Kürbisse wirklich nicht essen. Irgendwie fand er die eklig. Zum Essen. Nicht zum Fratzenschneiden.
„Ich will für mein Herbstfratzengesicht einen grünen Kürbis haben“, sagte er nun. „Einen ganz großen. Oder zwei oder drei“, sagte er.
Die bekam er dann auch, zum Vorteilspreis für kleine Kürbisschnitzer, wie der Bauer sagte.
Glücklich saß Emil später mit seinen grünen Kürbissen auf der Rückbank in seinem Kindersitz, als er hörte, wie sich die drei miteinander unterhielten, oder hatte er das etwa geträumt?
„Siehste!“, sagte der grüne Kürbis zu seinem Nachbarn, „Ich sagte doch, dass unsere Zeit noch kommen wird!“
Der dicke Grüne neben ihm lachte und der daneben auch. Sie würden noch lange lachen.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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