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Heute habe ich mir im Gartencenter ein Vogelhaus angesehen, aber noch nicht gekauft, weil ich hoffe, dass mein Mann mir eines bauen wird. Wir standen gerade auf der Terrasse und berieten, wie groß es werden sollte, da schlich die dicke Nachbarkatze über die Wiese hinterm Haus. Sofort sprangen meine Geschichtenhirnzellen an. Das Ergebnis stelle ich hier vor.

Gerade nochmal gut gegangen

Aufgeregt ließ sich Frau Blaumeise auf dem Apfelbaumzweig nieder, direkt neben Frau Kohlmeise.
„Haben Sie es schon gehört? Es ist sensationell, meine Liebe!“, zwitscherte sie.
„Was soll ich denn gehört haben, nun sagen Sie schon!“, erwiderte Frau Kohlmeise.
„Auf der Terrasse der alten Betty steht ein neues Vogelhaus!“, erzählte Frau Blaumeise stolz. Sie wähnte sich als Entdeckerin dieser unglaublichen Sensation.
„Na und?“, fragte Frau Kohlmeise. „In vielen Gärten stehen Vogelhäuser. Was nützt uns das, wenn nichts drin ist?“
„Das ist es ja eben! Bei der alten Betty ist was drin und was für tolle Sachen das sind. Ich bin pappsatt und kann heute kein Körnchen mehr hinunterbringen! Diese Nüsschen, ich sage Ihnen, die sind köstlich!“, schwärmte Frau Blaumeise.
„Erzählen Sie es nur nicht zu oft herum, rate ich Ihnen. Dann bleibt nichts mehr für uns!“, meinte Frau Kohlmeise, dann machte sie sich auf, um das Vogelhaus in Augenschein zu nehmen. Sie bat Frau Blaumeise nicht einmal, mit ihr zu kommen. Auch hätte sie sich bedanken können. Frau Blaumeise war verstimmt und ärgerte sich nun, dass sie überhaupt etwas verraten hatte. Dabei hatte sie es gut gemeint, schließlich hatten doch alle Vögel Hunger.
Sie flog ein paar Zweige höher im Apfelbaum, da sie von dort einen besseren Blick auf den Garten der alten Betty hatte. Es fing schon an zu dämmern und im Garten war alles still. Doch da, was war das? Schlich da nicht der dicke Theodor ums Vogelhaus? Frau Blaumeises Gefieder stellte sich aufrecht, das ist so, wenn Meisen Gänsehaut bekommen. Gefahr! Große Gefahr! Der dicke Theodor war nämlich ein gefräßiger Kater und sicher hatte er Frau Kohlmeise bereits im Blick.
‚Ich muss helfen‘, dachte Frau Blaumeise. Aber das war gar nicht so einfach, was konnte sie schon gegen einen dicken Kater ausrichten?
So schnell sie konnte, flog sie zum Garten der alten Betty, setzte sich aufs Fensterbrett und zwitscherte und piepste so laut, wie es ihr möglich war. Immer wieder hackte sie mit dem Schnabel an die Fensterscheibe und es dauerte auch gar nicht lange, da öffnete Betty das Fenster und streckte den Kopf heraus.
„Was ist denn hier los?“, fragte sie und schon ging ihr Blick zum Vogelhaus und gleich erfasste sie die Lage. „Theodor!“, kreischte sie. „Komm sofort da weg!“
Theodor schlich mit hängenden Schultern zur Katzenklappe, durch die er noch gerade so durchpasste.
„Macht euch keine Sorgen, liebe Vögelchen!“, versprach die alte Betty. „Gleich morgen werde ich einen Draht unterhalb des Hauses anbringen, dann kann euch niemand etwas zuleide tun!“
Frau Blaumeise war erleichtert und Frau Kohlmeise, die diese Gefahr erst erkannt hatte, als schon alles vorbei war, war sehr dankbar.
„Frau Blaumeise, Sie sind die Beste!“, zwitscherte sie und von diesem Tage an waren die beiden Freundinnen.

© Regina Meier zu Verl 2018

Meisengespräche, Foto von Gellinger/pixabay