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See-Idylle
Der Oktober und der Klimawandel

„Oma, erzählst du mir noch eine Geschichte?“, fragte Djamila ihre Oma, als sie wieder einmal bei ihr übernachtete.
„Klar!“, sagte Oma. „Soll ich dir eine vorlesen, oder eine erfinden?“
„Erfinden!“, jubelte Djamila. „Deine Geschichten sind immer toll!“
Oma errötete ein bisschen. Was gab es Schöneres, als ein Kompliment des Enkelkindes? Nichts!
„Also gut, gib mir einen Moment, damit ich meine Gedanken sortieren kann. Dann kann es losgehen!“
Djamila kicherte. Sie stellte sich vor, wie Oma einen Gedanken nach dem anderen auf die Seite legte und sie somit sortierte. Natürlich kannte sie das schon, so wie sie auch schon viele Oma-Geschichten kannte. Also verhielt sie sich ganz still und ließ Oma nachdenken.
Oma drückte den Zeigefinder auf die Nasenspitze, das sah lustig aus, half ihr aber wohl beim Denken. Dann setzte sie an zu erzählen, dabei verstellte sie ihre Stimme. Djamila schloss die Augen.
„Also dann!“
Das Jahr 2018 unterhielt sich mit dem noch jungen Monat Oktober.
„Du bist mir wirklich der liebste Monat von allen!“, schmeichelte das Jahr und sah den Oktober verliebt an.
„Ach komm, das sagst du jedem. Der September hat es mir bei der Übergabe verraten!“, wehrte der Oktober ab. „Du willst ja nur, dass sich die Menschen später an dich erinnern und sagen: Weißt du noch, dieses Jahr war das Allerschönste!“
„Das ist nicht wahr!“, zeterte das Jahr. Es fühlte sich aber ertappt, denn die Monate würden allesamt wiederkommen, es selbst aber wäre unwiederbringlich vorbei mit dem letzten Glockenschlag am Silverstertag.
„Das ist aber doch wahr, außerdem liegt es gar nicht in meiner Macht, irgendetwas daran zu ändern, wie das Wetter wird und ob ich ein goldener Oktober werden kann. Das sind höhere Mächte, die da walten!“, versuchte der Oktober dem Jahr klarzumachen.
„Höhere Mächte? Und die wären?“, fragte das Jahr neugierig.
Der Oktober schwieg eine Weile, doch gerade in dem Moment, als sich eine dicke Wolke vor die Sonne schob, fiel ihm ein, dass er eigentlich gar nicht wusste, was genau da vor sich ging. Er hatte gemerkt, dass sich das Wetter im Laufe der Jahre geändert hatte und dass es plötzlich viel öfter Regen gab als sonst. Der September hatte ihm erzählt, dass der August sich beklagt habe über die große Hitze und Trockenheit in diesem Jahr. Da war etwas im Wandel – im Klimawandel. Ja genau, das war das Wort, dass auch der September benutzt hatte. Da war auf der einen Seite die Trockenheit und Hitze und auf der anderen die Wassermassen, die für Katastrophen sorgten.
„Gib zu, du weißt es auch nicht!“, zeterte das Jahr.
„Keiner weiß etwas Genaues, aber eines ist sicher. Man muss handeln! Sofort!“, sagte der Oktober nachdenklich. Er hatte in der Vergangenheit schon viel erlebt, aber so deutlich wie in diesem Jahr war ihm nicht bewusst geworden, dass es nun galt etwas zu tun.
Doch ebenso wenig, wie der Oktober für das Wetter sorgen konnte, stand es in seiner Macht, den Klimawandel aufzuhalten.
„Na, dann handele du mal, du Schlaumeier!“, versuchte das Jahr den Oktober zu ärgern. „Mir kann es egal sein, ich habe noch gut zwei Monate und dann verschwinde ich in die ewigen Jagdgründe!“
„Das ist nicht lustig!“, schimpfte der Oktober. „Du solltest dir auch Gedanken machen. Es kann ja nicht sein, dass es dich nicht interessiert, was nach dir kommt?

Djamila hat sehr interessiert zugehört. Vom Klimawandel hat sie auch schon etwas gehört, aber so richtig konnte sie sich nichts darunter vorstellen, deshalb fragt sie nach:
„Oma, ist es dir auch egal, was nach dir kommt?“
„Aber nein, meine Kleine. Das ist mir nicht egal, denn ich möchte doch für euch Kinder, dass ihr glücklich seid und in einer gesunden Welt leben könnt!“, sagte Oma.
„Ist die Welt denn krank?“, wollte Djamila wissen.
„Im gewissen Sinne schon, aber wir alle können etwas dagegen tun, dass sie noch kranker wird! Jeder kann was tun!“
„Aber Oma, ich weiß gar nicht, was ich tun soll!“, jammerte Djamila, die richtig traurig war und sich Sorgen um die arme Welt machte.
„Es ist ganz einfach“, begann Oma. „Wenn jeder an seinem Platz mithilft, dann wird es gelingen. Ich gebe dir ein Beispiel: Es fällt viel Wäsche in einem Haushalt an. Die Waschmaschine braucht viel Strom und Waschpulver. Wenn wir alle versuchen würden, möglichst wenig Strom zu vergeuden und weniger Waschpulver benutzen würden, dann würde das der Umwelt schon helfen!“
„Aber Oma, ich kann doch nicht in schmutzigen Sachen zur Schule gehen!“, warf Djamila ein und schüttelte missmutig den Kopf.
„Das sollst du ja auch nicht, aber du könntest dich nach der Schule umziehen und deine guten Sachen ordentlich gefaltet für den nächsten Tag bereitlegen.“ Oma grinste, denn das mit dem „ordentlich falten“ war gar nicht so einfach.
„Ja, aber dann brauche ich doch zweimal Sachen, für die Schule und zum Spielen!“, überlegte Djamila.
„Stimmt, aber die müssen ja nicht täglich gewaschen werden. Wenn du aus der Schule kommst, dann bist du meist noch ganz sauber, nach dem Essen aber schon nicht mehr und dann ziehst du dich um, wären schonmal zwei T-Shirts am Tag. Dann gehst du raus zum Spielen und machst nochmal eines schmutzig, vielleicht sogar die Hose. Das wären dann schon drei oder vier Teile am Tag. So kommt eins zum anderen! Verstehst du?“
Djamila nickte. „Aber die Unterwäsche, die kann ich nicht sparen!“, sagte sie.
„Das sollst du ja auch nicht, Unterwäsche wechselt man täglich, aber das sind so kleine Teile, die fallen nicht so ins Gewicht!“, meinte Oma.
„Ich glaube, ich verstehe. Wenn also jeder in unserer Familie das machen würde, dann hätten wir weniger Wäsche und verbrauchten weniger Strom und Waschmittel, richtig?“, sagte Djamila stolz.
„Genau, und dann müssten Mama und ich nur darauf achten, dass wir die Waschmaschine auch richtig auslasten, also nicht halbvoll laufen lassen, sondern immer nur, wenn sie wirklich voll ist!“, fügte Oma noch hinzu.
„Wir haben noch etwas vergessen – das Wasser!“, rief Djamila eifrig.
„Stimmt! Ein ganz wichtiger Punkt, wir müssen auch Wasser sparen, wenn wir unserer Umwelt helfen wollen!“ Oma freute sich, dass ihre Enkelin mitdachte.
„Es gibt aber noch viele andere Dinge, die wir tun können. Aber jetzt sollten wir erst einmal schlafen. Morgen ist ein neuer Tag und dann reden wir weiter, einverstanden?“, fragte Oma.
„Was ist denn nun mit dem Oktober und dem Jahr? Haben die beiden noch weitergeredet? Oder haben sie sich zerstritten?“, wollte Djamila noch wissen.
„Die waren auch müde, das Jahr war schon alt und brauchte etwas Erholung und der Oktober bestaunte den herrlichen Sonnenuntergang und begab sich dann auch zur Ruhe“, erzählte Oma.
„Und wir zwei reden morgen weiter über den Klimaschutz, da gibt es noch viel zu beachten: das Fahren mit dem Auto, das Fliegen, das Essen von Fleisch und und und …“

Doch Djamila hörte das nicht mehr. Sie war eingeschlafen und sie lächelte im Schlaf.
„Das Kind versteht mich!“, dachte Oma und sie lächelte auch.

© Regina Meier zu Verl