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Pilzglück
Pilzglück

Max ist mit Papa im Wald unterwegs. Pilze suchen für Pilzpfannkuchen. Die hat Mama sich gewünscht.
„Ohne Pilzpfannkuchen ist für mich der Herbst noch nicht richtig da“, hat sie gesagt.
Stimmt. Waldpilze, mit Zwiebeln und Petersilie in Butter angedünstet und in Pfannkuchen eingerollt, gehören auch für Papa und Max zum Herbst wie Altweibersommerspinnen, bunte Blätter, Nebeltage, Kürbisgesichter und Laternenzüge. Sie schmecken nach Herbst.
Und deshalb sind Max und Papa heute mit Korb und Pilzmesser losgezogen.
Es ist schon sehr herbstlich im Wald und der Waldboden ist knöchelhoch mit gelben, braunen, roten, und blassgrünen Blättern bedeckt.
„Ob wir hier noch Pilze finden?“, zweifelt Max.
„Wir sind spät in diesem Jahr“, meint Papa. „Die Pilzzeit ist, wie mir scheint, vorbei.“
Im gleichen Moment stolpert er fast über eine Gruppe prächtiger Pilze mit roten Kappen und weißen Punkten. Eine ganze Pilzfamilie ist’s, die sich am Rand der Waldwiese unter Fichten- und Birkenzweigen im Gras versteckt. Wie Märchenpilze sehen sie aus.
„Die nehmen wir mit“, freut sich Papa.
„Die sind giftig“, sagt Max. „Pass auf!“
Da aber liegt Papa schon bäuchlings im Laub, die kleine Digitalkamera vor der Nase.
„Fliegenpilze. Die fehlen mir noch in meiner Sammlung. Sind sie nicht wunderschön?“
Max nickt. Es stimmt. Fliegenpilze sind tolle Pilze. Er kennt sie aus seinen Märchenbüchern. In echt hat er sie so nahe noch nicht gesehen.
„Sie sind giftig“, sagt er wieder. „Das haben wir in der Schule gelernt.“
„Das sollte jeder auch wissen“, meint Papa. „Ich sammle sie nur mit der Kamera ein.“
„Aber weißt du auch, woher der Fliegenpilz seinen Namen hat?“
Papa schüttelt den Kopf. „Nicht so richtig“, meint er und sieht Max ein bisschen verlegen an.
„Ganz einfach“, sagt Max. „Im Mittelalter hat es einmal eine große Fliegenplage gegeben. Die Leute wussten nicht, wie sie sich wehren sollten. Da haben sie die Idee gehabt, die Fliegen mit Giftpilzen zu verjagen.“
„Mit Pilzen Fliegen fangen? Wie soll das gehen?“ Papa staunt.
„Ganz einfach. Die Leute haben kleine Fliegenpilzstücke in Milch gelegt und gekocht. Ja, und die Fliegen haben von der süßen Giftmilch getrunken und sind gestorben.“
Papa nickt. „Den Fliegen haben die Pilze also kein Glück gebracht.“
„Glück? Wieso?“ Nun sieht Max Papa fragend an.
„Für viele Menschen gilt der Fliegenpilz als Glückssymbol“, sagt Papa. „Und ich weiß, dass diese Fliegenpilze uns heute noch Glück bringen werden.“
Glück? Max blickt zum Brombeerbusch unter den Buchen hinüber und sieht große, runde, dunkle Pilzköpfe unter gelben Blättern hervorlugen. Maronen. Viele. Eine ganze Maronenfamilie.
Er lacht. „Stimmt. Unsere Fliegenpilze haben nämlich ganz leckere Nachbarn. Davon nehmen wir einige mit. Für Mama und die Herbstpilzpfannkuchen.“
Papa lacht auch. „Na?“, fragt er. „Ist das nicht ein Glück?“

© Elke Bräunling

Und hier gibt’s noch ein Pilzgedicht: Der schöne, schöne Waldpilz

Pilzfamilie

 

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