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Der Apfelkönig und seine Kinder
Der Apfelkönig und seine Kinder

„Oh! Hey! Hallo!“, rief der Apfelkönig. „Endlich werden meine Kinder, die lieblichen Äpfelchen mit ihren roten Bäckchen erlöst. Ich dachte schon, da ist keiner, der sie pflücken oder von der Wiese auflesen möchte. Was für ein Unglück wäre das!“
Der Apfelkönig, der seine Äpfel so sehr liebte, dass er mit ihnen nur in der Kindersprache sprach, atmete auf.
Gerade eben war nämlich Bauer Franz mit seinem Trecker gekommen. Er hatte viele leere Körbe auf den Anhänger geladen, die nun mit Äpfeln gefüllt werden sollten.
„Sehr ihr, meine Kinderchen, ihr werdet sogar mit diesem wunderbaren Gefährt abgeholt. Ist das nicht wunderbar?“
„Hallo, ihr süßen Schätzchen. Nun endlich seid ihr an der Reihe“, rief im gleichen Augenblick Bauer Franz. „Ich habe viele Plätzchen für euch.“ Er rieb sich voller Vorfreude den Bauch.
„Schätzchen? Und Plätzchen? Das sind doch meine Worte!“ Der Apfelkönig wunderte sich.
Der Bauer Franz lehnte seine Leiter an den ersten Apfelbaum, kletterte hinauf und pflückte Apfel für Apfel. Behutsam legte er die empfindlichen Früchte in den Korb.
Der Apfelkönig war froh darüber, dass der Franz so zart mit seinen Kindern umging. Bestimmt würden sie es gut bei ihm haben. Er glitt aus seinem Baumwurzelversteck, schlich zum Apfelkorb und streichelte über die Apfelbäckchen. Die röteten sich noch ein bisschen mehr und über ihre Haut legte sich eine feine, glänzende Schicht.
„Wie bezaubernd ihr ausseht! Man wird sich um euch reißen, ihr Lieben!“
Die Äpfel bekamen es nun doch mit der Angst zu tun. Wer würde sich um sie reißen? Und würden sie dabei zu Schaden kommen?
„Was wird denn nun aus uns werden, lieber König?“, fragte einer.
„Nur das Beste“, antwortete der Apfelkönig. „Ich entlasse euch nun in euer neues Leben. Es wird kurz sein und aufregend und ihr werden es genießen. Zum Genuss nämlich seid ihr auf der Welt.“
In diesem Augenblick packte der Franz den Korb und hievte ihn auf den Anhänger. Er nahm gleich einen neuen, leeren Korb und stieg wieder auf die Leiter. Der Apfelkönig aber hatte sich schnell in den Korb gesetzt und war zusammen mit dem Franz in der Baumkrone gelandet. Stolz betrachtete er von hier sein Apfelland.
„So geht es“, sagte er zufrieden. „Und es wird immer so weiter gehen. Ein Kommen und Gehen ist’s jedes Jahr aufs Neue. Meine Apfelkinder werden Freude bringen und Gutes tun. Ich aber werde mich nun zurückziehen und Kräfte tanken für das nächste Apfeljahr.“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Apfelbaum und Apfelkönig