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Das kleine Burggespenst und der Geisterspuk

Das ängstliche Gespenst und die Spukgeister

Eines finsteren Nebelabends wagte sich Jammerläppchen, das ängstliche Gespenst, zum Spuken aus dem Bergfried von Burg Donnerstein heraus.
Heute, dachte es, ist draußen bestimmt nichts los. Bei diesem Nebelwetter bleiben die Menschen, vor denen es mir so sehr graust, zu Hause. Auch den Hexen und Geistern, die mich immer verspotten, werde ich heute sicher nicht begegnen.
Mutig schwebte Jammerläppchen talwärts. Wer wagte es auch schon, sich an einem so finsteren Tag draußen herumzutreiben?
„Nur einer“, kicherte Jammerläppchen. „Ich nämlich. Das kleine, ängstliche – pardon – mutige Gespenst von Burg Donnerstein! Ha, alle werden staunen, wenn sie von meinem Ausflug erfahren. Nie wieder werden sie lachen und ´Jammerläppchen´ zu mir sagen!“
Es näherte sich dem Dorf. Nur schemenhaft konnte es die Häuser erkennen. Bestimmt, malte es sich aus, werden die Menschen grausig erschrecken, wenn ich an ihren Fensterläden geisterhaft rüttele und heule und stöhne. Was für ein Spaß würde das sein! Huiii! Huhaaa!
„Huhii! Huhaaa!“, brüllte Jammerläppchen probehalber.
„Huhiii! Huhaaa!“, antwortete da ein mehrstimmiges Geheule.
Jammerläppchen erschrak und all seine Knochen fingen an zu klappern.
„Wer ist das? Geister?“, flüsterte es ängstlich.
„Huhiii! Huhaaa!“, heulte es da wieder, und ehe sich das verdutzte Burggespenst versah, war es von einer wilden Geister-, Monster- und Hexenschar umringt.
Mit „Huhiii!“ und Huhaaa!“-Geschrei nahmen diese Kerle Jammerläppchen in ihre Mitte und zogen mit ihm heulend und brüllend durchs Dorf.
Jammerläppchen wusste nicht, wie ihm geschah. Es graulte sich wie nie zuvor in seinem langen Gespensterleben. Was hatten diese seltsamen Kerle mit ihm vor? Nun stoppten sie auch noch vor einem Menschenhaus, klingelten am Tor und veranstalteten einen Höllenlärm. Sie schrieen „Süßes oder Saures“ und heulten und brüllten und stöhnten so lange, bis die Bewohner lachend am Fenster erschienen und Süßigkeiten und Münzen auf die Straße warfen. Angst vor diesen Spukgeistern jedoch schienen sie keine zu haben.
Jammerläppchen wunderte sich, doch schon ging es lärmend weiter von Haus zu Haus durch das ganze Dorf.
„Die spinnen, diese Geister!“, sagte Jammerläppchen, das auf einmal auch keine Angst mehr hatte. Nein, ihm war langweilig. Was sollte es bloß mit Süßkram und Geldmünzen anfangen? Nein, dieses blöde Spiel mochte es nicht länger mitmachen. Mutig rief es mit gruseliger Gespensterheulstimme:
„Ihr geht mir mächtig auf den Geist, huhihuha, ihr komischen Geister! Huhii! Huhaa!“
Es riss sich von seinen Begleitern los, schwebte zum Waldrand hinüber und machte sich auf den Heimweg.
Morgen, nahm es sich vor, werde ich meine echten Geisterkollegen erschrecken. Aber nicht auf so seltsame Weise wie diese komischen, kleinen Dorfgeister. Nein, mächtig gruselgrausig und geisterhaft. Morgen, dachte es, während es dem Bergfried zuschwebte. Für heute nämlich hatte es vom Spuken die Nase erst einmal gestrichen voll.

© Elke Bräunling


Jammerläppchens „Geisterburg“, Foto © Elke Bräunling